Sonderabschreibung nach § 7g EStG für Kleinunternehmen

Die seit 2008 neu geregelte Form der steuerlichen Investitionsförderung durch erhöhte Abschreibungen (§ 7g EStG) sorgt immer wieder für Unklarheiten. Daher ein kurzer Überblick der wesentlichen Eckpunkte und Rechenbeispiele.

Voraussetzung für die Möglichkeit zur Sonderabschreibung ist bei bilanzierenden Gewerbetreibenden und Selbständigen ein Betriebsvermögen von maximal 235.000 Euro. (Für Land- und Forstwirte gilt eine Obergrenze von 125.000 Wirtschaftswert.) Bei Anwendung der Einnahmen-Überschussrechnung gilt ein Gewinnmaximum von 100.000,- Euro.

Diese Grenzen wurden für die Jahre 2009 und 2010 durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz befristet auf 335.000,- Euro Betriebsvermögen (175.000,- Einheitswert für Land- und Forstwirte) bzw. 200.000,- Euro Gewinn erhöht. Seit 2011 gelten wieder die ursprünglichen Grenzen.

Die Sonderabschreibung kann für bewegliche (also nicht für Gebäude oder Software-Systeme) Wirtschaftsgüter die (fast) ausschließlich betrieblich genutzt werden (also meist nicht für den auch privat genutzten Firmenwagen) vorgenommen werden. Die Bildung eines Investitionsabzugsbetrages ist nicht mehr Voraussetzung für die Sonderabschreibung. Der Abschreibungsbetrag von 20 % kann beliebig auf die insgesamt ersten 5 Jahre der Nutzung verteilt werden.


Durch Kombination mit der regulären Abschreibung kommt es gelegentlich zu Unklarheiten bezüglich der Reihenfolge der Ermittlung der Abschreibungsbeträge. Hier ein kleines Beispiel:

Ein Unternehmer kauft am 20.7.2010 eine Maschine für 80.000,- Euro mit einer Nutzungsdauer von 8 Jahren, die er linear abschreiben möchte. Wenn er die Voraussetzungen für die Sonderabschreibung erfüllt, ergibt sich ein Sonderabschreibungsbetrag von 16.000,-. Diesen Betrag könnte er komplett in 2010 als Sonderabschreibung geltende machen. Er könnte auch für 5 Jahre jeweils 3.200,- Euro ansetzen oder eben jede andere denkbare Verteilung. Im Folgenden sei angenommen, dass er den Betrag gleichmäßig auf die ersten beiden Jahre verteilen möchte, also 8.000,- Euro pro Jahr.

Für die reguläre (lineare) Abschreibung ergibt sich zunächst ein jährlicher Betrag von 10.000,- Euro (80.000,- Euro / 8 Jahre). Im ersten Jahr wird der Betrag wegen der Anschaffung im Juli nur für 6 Monate anteilig berechnet. Nach 5 Jahren ist der “Förderzeitraum” beendet, dann muss die lineare Abschreibung neu berechnet werden. Nach 5 Jahren wurden hier insgesamt 61.000,- Euro abgeschrieben (4,5 Jahre x 10.000,- = 45.000,- reguläre AfA sowie die 16.000,- Sonder-AfA). Der Restbuchwert der Maschine beträgt dann 19.000,- Euro, ihre Restnutzungsdauer 3,5 Jahre. Damit ergibt sich eine lineare Restabschreibung von 5.429,- Euro pro Jahr.

Kalenderjahr Sonderabschreibung Reguläre Abscheibung Buchwert Jahresende
2010 8.000,- 5.000,- 67.000,-
2011 8.000,- 10.000,- 49.000,-
2012 0,- 10.000,- 39.000,-
2013 0,- 10.000,- 29.000,-
2014 0,- 10.000,- 19.000,-
2015 - 5.429,- 13.571,-
2016 - 5.429,- 8.142,-
2017 - 5.429,- 2.713,-
2018 - 2.713,- 0,-

Bei Kombination mit der degressiven Abschreibung ergibt sich nach 5 Jahren meist noch keine Notwendigkeit der Anpassung, da die degressive Abschreibung bereits im zweiten Jahr vom Restbuchwert (unter Berücksichtigung der Sonderabschreibung des Vorjahres) berechnet wird. Beim Wechsel auf die lineare Restabschreibung wird ohnehin eine Anpassung vorgenommen. Lediglich, falls der Wechsel auf die lineare Abschreibung vor der letzten Sonderabschreibung vorgenommen wird, ist eine neue Anpassung nach 5 Jahren notwendig.

Ein Unternehmer kauft am 20.7.2010 eine Maschine für 80.000,- Euro mit einer Nutzungsdauer von 7 Jahren, die er degressiv abschreiben möchte. Es ergibt sich die gleiche Sonderabschreibung wie im obigen Beispiel, insgesamt 16.000,-. Diesmal soll diese jedoch gleichmäßig auf die ersten 5 Jahre verteilt werden, also 3.200,- Euro pro Jahr. Bei 25 % degressiver Abschreibung erfolgt im Jahr 2014 ein Wechsel auf die lineare Restabschreibung, da in diesem Jahr die Restnutzungsdauer nur noch 3,5 Jahre beträgt. Da aber in diesem Jahr (2014) auch noch eine Sonderabschreibung erfolgt, muss im Folgejahr (2015), also am Ende des “Förderzeitraums”, noch einmal eine Anpassung der linearen Abschreibung vorgenommen werden. Die Tabelle fasst die Lösung zusammen.

Kalenderjahr Sonderabschreibung Reguläre Abscheibung Buchwert Jahresende
2010 3.200,- 10.000,- 66.800,-
2011 3.200,- 16.700,- 46.900,-
2012 3.200,- 11.725,- 31.975,-
2013 3.200,- 7.219,- 21.556,-
2014 3.200,- 6.159,- (lin.) 12.197,-
2015 - 4.879,- 7.318,-
2016 - 4.879,- 2.439,-
2017 - 2.439,- 0,-

Durch die Sonderabschreibung kann sich die Nutzungsdauer eines Gegenstandes auch verringern. Ein letztes Beispiel:

Ein Unternehmer kauft am 4.1.2010 eine Maschine für 60.000,- Euro mit einer Nutzungsdauer von 6 Jahren, die er linear (10.000,- p. a.) abschreiben möchte. Die Sonderabschreibung von 20 % verteilt er gleichmäßig auf die ersten 5 Jahre, also 2.000,- Euro pro Jahr. Die jährlichen Abschreibungen in den ersten 5 Jahren betragen folglich 12.000,- Euro, insgesamt 60.000,-. Damit ist die Maschine bereits nach 5 Jahren abgeschrieben, trotz der eigentlich 6jährigen Nutzungsdauer.

Handelsrechtlich sind rein steuerliche Abschreibungen nicht mehr zulässig. Durch die Stornierung der Sonderabschreibungen (und eines eventuellen Investitionsabzugsbetrages) kommt es im HGB-Abschluss zu höheren Wertansätzen der Sachanlagen. Ferner sind die latenten Steuer auf den höheren Wertansatz zu passivieren.

Für die meisten Kleinunternehmen spielt der Handelsabschluss in der Praxis jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Entsprechend selten finden diese Anpassungen tatsächlich statt.

Hinweis: Die Ausführungen dienen lediglich der akademischen Diskussion der Sachverhalte sowie als Hilfestellung für Studenten. Sie stellen keine Steuerberatungsleistung dar. Wenden Sie sich für konkrete Einzelfallfragen bitte an den Steuerberater Ihres Vertrauens.

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