Abschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter (GWG) – Beispiele

Die richtige Erfassung so genannter “geringwertiger” Wirtschaftsgüter (GWG) im Rechnungswesen ist nicht völlig trivial. Ihre steuerrechtliche Behandlung ist ein Musterbeispiel für den erfolglosen Versuch, Rechtsvorschriften zu vereinfachen.

Ursprünglich (bis zum Jahr 2007) galt eine Wertgrenze von 410,- Euro für die (wahlweise) Behandlung von Wirtschaftsgütern als GWG. Eine solche Vereinfachung dient dem Wirtschaftlichkeitsprinzip im Rechnungswesen. Ohne eine solche Grenze müsste jeder Bleistift und jede Bohrmaschine im Unternehmen in einem Anlagenverzeichnis erfasst und über die (planmäßige) Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Bei einem Bleistift (zur Verwendung in der Verwaltung) leuchtet es unmittelbar ein, ihn bei Anschaffung sofort als Aufwand zu behandeln. Steuerrechtlich gilt hier eine Wertgrenze von 150,- Euro. Liegen die Anschaffungskosten nicht über diesem Wert, wird die Anschaffung direkt als Aufwand (Betriebsausgabe) behandelt. Wie ist aber z. B. mit einer Bohrmaschine für (netto) 300,- Euro zu verfahren? Hier greift die (klassische) GWG-Regel, nach der die Bohrmaschine zwar als Zugang im Anlagevermögen erfasst wird, jedoch im Jahr der Anschaffung komplett abgeschrieben werden kann.

Für die Jahre 2008 und 2009 wurde diese Regelung jedoch geändert. Die Wertgrenze wurde von 410,- auf 1.000,- Euro angehoben, mit der Idee, mehr Gegenstände als GWG zu behandeln, was zu einer einfacheren Buchhaltung führen könnte. Gleichzeitig wurde aber steuerrechtlich festgeschrieben, dass sämtliche GWG eines Jahres zusammen (als Pool) zwingend über 5 Jahre (linear) abzuschreiben sind. Die Auflösung dieses Sammelpostens ändert sich auch nicht, wenn Gegenstände ausscheiden oder untergehen. Ein solches Vorgehen ist handelsrechtlich jedoch nicht vertretbar.

Ab dem Jahr 2010 hat der Gesetzgeber die alte Regelung (410,- Euro, Vollabschreibung) wieder eingeführt. Gleichzeitig wurde die Möglichkeit eingeräumt, auch die Pool-Methode (1000-Euro-Sammelposten) wahlweise anzuwenden. Dieses Wahlrecht kann aber nur einheitlich für sämtliche GWG eines Jahres ausgeübt werden. So viel zur Vereinfachung von Gesetzen!

Voraussetzung für die Behandlung als GWG ist es immer, dass es sich um ein bewegliches und selbständig nutzbares Wirtschaftsgut handelt. Nicht selbständig nutzbar sind beispielsweise Computer-Monitore oder Laserdrucker. Selbständig nutzbar sind z. B. Notebook-Computer oder Multifunktionsdrucker (als Kopierer verwendbar).

Beispiele:

Ein Unternehmer kauft im Mai 2009 ein Notebook für (brutto) 476,- Euro. Sofern er vorsteuerabzugsberechtig ist betragen die Anschaffungskosten 400,- Euro. Im Jahr 2009 hat er das Notebook zwingend in den Sammelposten für GWG des Jahres einzustellen. Auch wenn die Nutzungsdauer für Computer nur 3 Jahre beträgt, kann er im Jahr 2009 nur ein Fünftel (80,- Euro) als Betriebsausgabe geltend machen, ebenso wie für 2010, 2011, 2012 und 2013.

Eine Unternehmerin kauft im Mai 2010 ein Notebook für (brutto) 476,- Euro. Sofern sie vorsteuerabzugsberechtig ist betragen die Anschaffungskosten 400,- Euro. Im Jahr 2010 hat sie die Möglichkeit wie ihr Kollege im Vorjahr (Sammelposten) zu verfahren. Alternativ kann sie die klassische 410-Euro-Methode anwenden. Bei dieser wird das Notebook als Anlagenzugang erfasst, am Jahresende jedoch komplett abgeschrieben. Damit kann sie im Jahr 2010 die ganzen 400,- Euro als Betriebsausgabe geltend machen.

Ein Unternehmer kauft im Mai 2010 ein Notebook für (brutto) 642,60 Euro. Sofern er vorsteuerabzugsberechtig ist betragen die Anschaffungskosten 540,- Euro. Wählt der Unternehmer für das Jahr 2010 die Sammelposten-Methode, ist auch das Notebook in den GWG-Pool einzustellen. Es können dann für die Jahre 2010-2014 jeweils ein Fünftel (108,- Euro pro Jahr) als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Wählt er dagegen die 410-Euro-Methode, muss das Notebook (als Betriebs- und Geschäftsausstattung) aktiviert werden und über seine Nutzungsdauer (3 Jahre) abgeschrieben werden, da seine Anschaffungskosten über 410,- Euro liegen. Die jährliche Abschreibung beträgt also 180,- Euro. Im Jahr 2010 kann er (anteilig für 8 Monate) 120,- Euro, in den Jahren 2011 und 2012 jeweils 180,- Euro und im Jahr 2013 die restlichen 60,- Euro als Betriebsausgabe geltend machen.

Problematisch ist ein Sammelposten handelsrechtlich, wenn die Gegenstände vorzeitig ausscheiden. Das Steuerrecht sieht in diesen Fällen keine Anpassung vor.

Eine Unternehmerin kauft im Mai 2011 insgesamt 10 Notebooks für jeweils (netto) 900,- Euro. Sie entscheidet sich aus Vereinfachungsgründen für den Sammelposten und strebt eine Einheitsbilanz (Handelsbilanz = Steuerbilanz) an. Folglich macht sie im Jahr 2011 ein Fünftel (1.800,- Euro) als Betriebsausgabe geltend. Der Buchwert des Sammelpostens 2011 beträgt am Jahresende noch 7.200,- Euro. Dieser Betrag wird auch in der Handelsbilanz (unter der Position Betriebs- und Geschäftsausstattung) ausgewiesen. Soweit ist das Vorgehen nicht zu beanstanden.

Im Sommer 2012 werden die Notebooks nun bei einem Einbruch entwendet. Da für den Sammelposten steuerrechtlich keine außerplanmäßigen Abschreibungen möglich sind, ist dieser am Jahresende mit 5.400,- Euro in der Steuerbilanz anzusetzen. In der Handelsbilanz dürfte dieser Betrag allerdings nicht ausgewiesen werden, denn ein entsprechender Vermögensgegenstand liegt nicht mehr vor.

Die beiden steuerlichen Regelungen finden Sie in den Absätzen 2 und 2a des § 6 EStG.

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